Advent, Advent …

Gestern in sieben Wochen ist Heilig Abend. Eigentlich sollten wir in Weihnachtsstimmung versinken. Dieses Jahr graut es mir davor. Irgendwie. Und das, obwohl ich Weihnachten sehr gerne mag. Wenn die Weihnachtsmärkte ihr Pforten öffnen, es kalt draußen ist und ich mir meine Hände an der heißen Maronentüte wärmen kann. Weihnachten, ein Fest der Liebe, des Friedens, der Vergebung. Natürlich ist Weihnachten auch Kommerz, aber letztendlich liegt das an jedem selbst, wie er, ungeachtet der Werbung, die in den kommenden Wochen auf uns einprasseln wird, dieses Fest gestaltet.

Als wir, meine Geschwister noch Kinder waren, da war Weihnachten der Hammer schlechthin. Meine Eltern mussten auch am Heiligen Abend noch arbeiten und das bis kurz vor knapp. Meine Geschwister, beide einige Jahre älter als ich, waren da natürlich sehr souverän und Nikolaus, den gab es nicht und das Christkind auch nicht, gerieten aber mit ihrer Anschauung in Zweifel als am 6.Dezember der Nikolaus an die Tür gekloppt hat. Da kam einer im Geschäft meiner Eltern, das sie gemeinsam mit meinen Großeltern vorbei und mein Großvater krallte sich den guten und schickte ihn nach oben in die Wohnung. Also bei meinen Geschwistern alles auf „reset“, man kann ja nie wissen. Dann am Heiligen Abend kam mein Großvater, der Vater meiner Mutter, meine Oma starb im Jahr vor meiner Geburt, und beschäftigte uns Kinder. Eins hatte er absolut drauf und das war uns Kindern verschiedene Male weis zu machen, dass gerade eben draußen vor dem Fenster das Christkind vorbei geflogen war. Na gut, meine Geschwister glaubten dann halt noch ein weiteres Jahr daran, dass es unterwegs war, um den Kindern Geschenke zu bringen.

Der Christbaum wurde von meinem Vater geschmückt und zwar am Abend vor dem Heiligen Abend, weil er selbst zwei Tage vor Weihnachten Geburtstag hatte. Wir Kinder sollten den Baum nun nicht sehen, aber wir mussten an dem Raum, in dem er stand vorbei und da war keine Tür, die man schließen konnte. Also haben wir uns unsere Augen zugehalten, mit Sehschlitz versteht sich und mussten so gefühlte hundert Mal zur Toilette gehen. Meine Eltern sind zu bewundern mit welcher Ruhe sie das gestemmt haben. Dann, am Heiligen Abend selbst, wenn das Christkind alle Geschenke verteilt hatte, wir in unseren besten Kleidern steckten, meine Eltern sich ebenfalls dem Anlass angemessen, angezogen hatten, meine Großeltern, die Eltern meines Vaters auch endlich angekommen waren, dann erklang irgendwann der helle Glockenklang der kleinen Glocke mit der mein Vater uns ins Wohnzimmer rief. Dann haben wir erst gesungen, mein Pa hat dazu Klavier gespielt. Später wurde zu Schallplatten gesungen bis mein Bruder, inzwischen dann im Stimmbruch angekommen, so falsch gesungen hat, dass mein Opa sauer war, weil er annahm, der macht das mit Absicht und mein Vater dann, des lieben Friedens Willens in den kommenden Jahren auf das Singen verzichtet hat. Es gab auch, viele kennen das, die obligatorischen Fotografien, bei denen der Fotoapparat auf dem Stativ stand, der Selbstauslöser eingestellt war, die ersten Bilder geschossen waren. Die folgenden Bilder konnten damit verhindert werden, weil Nesthäckchen, also ich, mal aufs Klo musste und im Vorbeigehen beim Stativ eingefädelt hat, das sofort nachgab und den Fotoapparat zu Boden gefördert hat, worauf dieser seinen Geist aufgegeben hat und die Familie vor weiterem Stillsitzen auf der Couch bewahrt hat. Es war deutlich spannender mit den Spielsachen spielen zu können, als da zu sitzen.

Das waren auch keine neuen Spielsachen. Das waren alte Puppen mit neuen, von meiner Ma gestrickten Puppenkleidern, einen neu befüllten Kaufmannsladen, der meine Geschwister davor schon viele Jahre Freude bereitet hat, die Eisenbahn fuhr auch wieder ihre Runden. Immer irgendwann nach Weihnachten, wenn der Frühling kam, wurden all diese Dinge, ordentlich verpackt auf den Speicher gestellt um im nächsten Jahr erneut herunter geholt und frisch gestrichen zu werden und eine neue Befüllung zu bekommen. Das hatte alles Hand und Fuß. Eine neue Puppe war natürlich immer dabei. Das war schön und ich kann mich nicht daran erinnern, dass da ein Weihnachtsfest dabei gewesen war, an dem meine Eltern sich gestritten hatten und wenn dann doch, dann so, dass wir Kinder das nicht mitbekommen haben. Ich denke, dass sie da gar keine Zeit hatten zu streiten.

Ich weiß nicht, ob ich dieses Jahr die Kurve in Richtungen bekommen werde. Trotz aller Freude über meine Familie. Ich weiß, es liegt am Wetter, das eher an den nächsten Urlaub denken lässt, als an Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt. Trotzdem, genießt die kommende Vorweihnachtszeit so gut das für jeden möglich ist.

 

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