„Aktenzeichen: Luxus gegen Liebe“ von Rike Stienen

Rafael und Nicole sind das Business-Paar schlechthin. Während er eine gut gehende Anwaltskanzlei mit seinem Freund und Partner Tim betreibt, arbeitet sie erfolgreich als Staatsanwältin. Beide sind sich einige, erst der Job, dann alles andere. Rafael hat sich eine Penthauswohnung gekauft und fährt einen Porsche, den er hegt und pflegt. Nicole ist im Begriff bei ihm einzuziehen und ihre sehr wohlhabenden Eltern warten nur darauf den Hochzeitstermin zu erfahren.


Tim, der Freund und Partner von Rafael, tritt in seiner Freizeit gerne für Kinder als Clown auf, über eine Internetseite ist er zu buchen. Unglücklicherweise erleidet er einen Unfall, der ihn mit einem gebrochenen Bein ins Krankenhaus zwingt und bittet deswegen Rafael diesen einen noch ausstehenden Auftrag zu übernehmen: Pia, die Mutter von drei Kindern möchte ihn für den sechsten Geburtstag ihrer Zwillinge buchen, da deren Onkel, der sonst den Clown mimt aus beruflichen Gründen das in diesem Jahr nicht tun kann.
Zögernd übernimmt Rafael den Auftrag, der genau an dem Samstag stattfinden soll, da seine zukünftigen Schwiegereltern das erste Mal das Penthaus sehen sollen. Zu allem Elend versinkt Rafaels Porsche im Morast des Wegs zum Forsthaus in dem Pia mit ihren Kindern lebt, da ein heftiger Sturm den Boden komplett aufgeweicht hat.
Ich gebe zu, dass ich etwas schwer in den Roman gekommen bin, da die Autorin die beiden Figuren von Rafael und Nicole sehr unterkühlt zeichnet. Ich hatte das Gefühl, dass ich in einer Gerichtsakte und nicht in einem Roman lese. Das ist kein liebendes Paar, das ist kalkuliertes Beisammensein. Dennoch muss ich rückblickend sagen, dass das eine perfekte Art zu schreiben war, um die Entwicklung des Protagonisten Rafael aufzuzeigen. Nicole kann man an dieser Stelle vernachlässigen, nicht aber den inneren Kampf den Rafael mit sich führt.
Der krasse Gegensatz zwischen Wohlstand und Normalmenschen, die tagtäglich um Kleinigkeiten kämpfen müssen hat die Autorin derart gut beschrieben, dass sich jeder normale Mensch in Pias Forsthaus wiederfinden kann, was bei der Beschreibung von Rafaels Liebe zu seinem Porsche und seinem Penthaus deutlich schwerer fällt. Das sind einfach zwei Welten. Den Kampf, den Rafael in sich ausgefochten hat, drehte sich zu keinem Zeitpunkt darum, dass er ein relativ sicheres Leben zu Gunsten einer Frau mit drei Kindern aufgeben würde, sondern nur darum, dass die Frauen im Fokus seines Denkens standen, die er glaubt verloren zu haben. Das verschafft ihm deutliche Sympathiepunkte.

Wenn ich zu Beginn über eine sehr gesetzte, fast juristische Sprache gestolpert bin, lockert das im Laufe des Werkes mehr und mehr auf und ich konnte den Wohlfühlfaktor erleben, den ich in Romanen immer suche und den ich brauche, um bis zum Ende zu lesen, ohne ihn höre ich auf, lege ich das Buch weg. Ich habe bis zum Ende gelesen.
Ich habe bereits mehrere Werke von Rike Stienen gelesen, sie weiß, wie sie Spannung erzeugen kann, aber auch wie sie ihre Leser zum Lachen bringt. „Aktenzeichen: Luxus gegen Liebe“ ist perfekte Unterhaltung und ich freue mich schon darauf ihr nächstes Werk zu lesen.

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