Auf der Suche oder wer Ordnung hält…

Es gibt Gewohnheiten, die nur den Zweck haben das tägliche Leben zu erleichtern. Das kommt fast Ritualen gleich. Sie geben Sicherheit und sorgen dafür, dass man nur halb so viel suchen muss. So weit so gut. Mein Bruder sagte mal zu meiner Ma, als diese wegen seiner Unordnung gemeckert hat: Wer Ordnung hält, der ist zu faul zum Suchen. Nette Worte. Der Lacher war auf seiner Seite. So war er. Es geht nicht um die Ordnung, sondern darum zu suchen und das habe ich schon reichlich getan.

Ich war noch Kind, als meine Großmutter an Verkalkung erkrankt war, heute sagt man Demenz dazu, damals war das kein Thema und sie versteckte, alles was sich angeboten hat zu verstecken. Ich wurde zum Suchen angestellt und irgendwie gelang es oft alles wieder zu finden. So hatte sie mal die Ringe, die sie immer getragen hat in die Bleikristallbowle gelegt. Von außen war das schlecht zu sehen, aber der hinein brachte Klarheit und die Ringe zurück. Meine Schwiegermutter hat vorzugsweise ihr Portemonnaie gesucht. Auch keine einfache Geschichte, vor allem deswegen, weil die Verstecke immer sehr ausgetüftelt gewesen waren. Schlüssel suchen ist auch ein beliebtes Spiel. In tiefen Taschen sind sie kaum zu finden, vor allem dann nicht, wenn die Tasche einer Frau gehört. Es gibt Schlüsselfinder, ja, aber das ist irgendwie unspannend. Genial ist es, wenn man sein komplettes Auto sucht. Es gibt ein Parkhaus, da ist mir das passiert, aber nicht nur mir, das Haus war ein Geniestreich gewesen. Aber vor zwei Wochen ist mir beim Gang zum Bäcker ein Mann begegnet, der suchte sein Auto, wusste immerhin noch, dass er es in einer mehrspurig befahrenen, großen, breiten Straße geparkt hat. Immerhin. Ich ahnte welches die Straße war, ob er es aber gefunden hat? Keine Ahnung, ich bin nicht mitgegangen. Ich dachte, das sei Frauensache ein Auto nicht wieder zu finden. Ich habe meins auch mal gesucht und es dann bei der Polizei als gestohlen gemeldet. Weg war es, nie wieder gefunden und ich habe es so geliebt, es war groß und schnell. Suchen und finden. Mitunter findet man nicht mehr das, was man vermisst. Oder man kann sich partout an nichts erinnern, nicht wohin man das hat, ob man es überhaupt noch hat und wenn man während dieses Moments unter großem Stress gestanden hat, dann wird es schwierig zu finden, was man sucht. Schlimmer noch, man erinnert sich nicht und dann, wenn man im entsprechenden Alter ist, kommen Zweifel auf, ob man an der Schwelle zur Demenz steht. Hätte was, dann darf man nämlich alles und noch besser, man vergisst recht schnell alle Untaten.

Früher, da konnte man kein Telefon verlegen, weil diese per Leitung mit der Steckdose an der Wand befestigt waren. Heute gibt es das nicht mehr und ich wette, dass jeder von uns schon mal das Handy, egal welches Netz, gesucht hat. Die schnellste, effektivste Möglichkeit ist die sich selbst anzurufen.  Das klappt meist ganz gut sofern man es nicht wie das schon getan habe, so sicher verpackt, weil man dem Klingeln des Gerätes unbedingt entgehen will. Das ist natürlich blöd, denn da hilft dann alles anrufen nicht, sondern nur die reine Suche, der Versuch sich daran zu erinnern, was man, sich noch in absolutem Tiefschlaf befindend, getan hat, nachdem das warme, nette, weiche, liebe Bett verlassen worden war. So ging mir das heute Morgen, das Telefon ließ sich einfach nicht finden, nicht per Anruf, nicht per aufmerksamer Suchen. Trotzdem, es war der reine Zufall, ich habe es gefunden und nein, ich verrate nicht wo es gewesen war.  Alles verrate ich ja auch nicht und nein, da sind noch keine Anzeichen von Demenz, auch wenn ich mich gelegentlich in der Richtung beobachte. Ich wünsche Euch einen angenehmen Mittwoche, viel Spaß bei der Suche nach was auch immer!

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