Morgen

Es ist fast so weit, wird Realität werden. Nicht mehr lange und meine Tochter ist Mama, wird ihr Baby im Arm halten und alles wird vergessen sein, die anfängliche Übelkeit, die Raumforderung des Babys. Am Anfang wird es ein doofes Gefühl sein, wenn da im Bauch nix mehr strampelt und zappelt, boxt und knufft. Dort zieht dann für die ersten Tage Leere ein, bis sie sich wieder daran gewöhnt hat. Das sind nur Momente und sie enden sofort und umgehend, wenn sie an Baby denkt.

Überhaupt hat sich die Rolle der Oma heute deutlich verändert. Die Mobilität, die heute gefordert ist, verursacht räumliche Trennung, das Internet und die gute Freundin, die alles weiß, geben stattdessen Rat. Ich überlege schon die ganzen letzten Tage wie das gewesen ist, damals als meine Babys geboren wurden. Beim ersten haben wir gar nicht in unserer Heimatstadt gelebt, auch wenn mein Baby, wie seine Geschwister auch, dort geboren wurden. Ich habe die erste Zeit bei meinen Eltern verbracht, der Papa war in der Welt unterwegs, Internet war nicht und es ging mir mies und das über Wochen. Wenn ich mich recht erinnere war mein Kind schon zehn Wochen alt bis ich das erste Mal das Haus alleine verlassen konnte. Das war böse, weil ich es hasse auf andere angewiesen zu sein, zumindest in dieser Beziehung. Baby 2 und 3, da war alles besser, alles lief glatt und inzwischen lebten wir in einem 3-Generationenhaus, meine Eltern, meine Schwester mit Familie und wir. Das war genial, es war immer jemand da, der auf die Kinder aufpassen konnte, wenn man unterwegs gewesen war oder wenn man arbeiten musste. Ansonsten hatte jeder seinen Haushalt, ein eigenes Leben, eine Haustür, die man hinter sich schließen konnte. Ich kann mich an eine Situation erinnern, da habe ich eine meiner Töchter abgestillt, wollte ihr Abendbrei anbieten, aber da war nix mit Brei essen, sie kniff die Schnute zu, drehte den Kopf weg, zeigte auf das Wurstbrot ihres Bruders, da fragte ich meine Mutter, was ich nun machen soll. Fortan aß mein Kind gemeinsam mit seinem Bruder am Abend was auf den Tisch kam, Brei mag sie wohl bis heute nicht. Alles andere wäre schwachsinnig gewesen und hätte nur zu Kämpfen geführt, die niemandem gedient hätten. Gleiches Kind nahm als Säugling auch nicht von Fremden Obstbrei vom Löffel, was ein einziges Mal erforderlich war, da war ich mit meinen beiden Kindern im Krankenhaus gewesen. Eine Untersuchung zog sich ewig lange hin und ich war mit der Milchbar eben nicht greifbar und sie schrie vor Hunger, aber genommen hat sie trotzdem nichts. Was die erste Lebenszeit meiner Kinder angeht, hatte ich ein Flaschenkind und zwei Stillkinder. Letzteres war eine geile Sache, das war immer flott, ich konnte sie stillen während ich Frühstück für seine Geschwister zubereitet habe, im Restaurant ohne dass das auffiel, wenn ich bei Oma gewesen war, oder mich mit anderen Müttern im Park getroffen habe. Wenn es beim ersten Kind noch sehr ruhig und gemächlich zugeht,  man Atmosphäre schafft, sich Zeit nimmt, muss man beim zweiten und dritten Kind anders agieren, ist gezwungen die Zeit anders einzuteilen und wenn Kind 1 + 2 zur Schule müssen, Baby Hungers schreit dann schafft man das während man Brote zubereitet zu stillen, zumindest so viel, dass das Schreien aufhört. Das Essen für die Schule schon am Abend vorzubereiten war nicht meine Welt. Sicher habe ich meine Mutter das eine oder andere Mal zu Rate gezogen, selbst beim dritten Kind noch und trotz der Sicherheit, die ich da schon hatte. Ja, doch  ab und an schon und trotz der Tatsache, dass sie unsere Windel noch auf dem Herd zum Waschen erst mal gekocht hat.

Morgen kommt Baby, das Warten hat ein Ende, hören die schlaflosen Nächte auf, weil der Bauch im Weg gewesen war, oder Baby anderer Meinung war, was seine Lage und die der Mama angeht. Dafür ziehen die schlaflosen Nächte ein und wenn sie nicht schlaflos sein werden, am Anfang, weil das Süße ein braves Kind ist, irgendwann werden sie da sein, die Zahnnächte, die Bauchwehnächte oder die Traumnächte, wenn der Störenfried schön der Träume im Schrank oder unterm Bett kauert. Die Augenringe warten schon darauf sich zu zeigen, stehen bereits in den Startlöchern und so viel Concealer und Make up, dass man es nicht sieht, kann man gar nicht auftragen. Aber das nehmen Eltern gern in Kauf, das gehört einfach dazu. Ich freue mich auf mein Enkelkind, bin nach Monaten Schwangerschaft langsam bereit Oma zu sein.

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