„Pretty Girls“ von Karin Slaughter, erschienen Dezember 2015

Mir scheint, dass ich, seit ich meinen Reader habe, mehr Probleme habe, mich in ein Buch einzulesen, als das mit den Paper back gewesen war. Mit dem Reader lese ich in der Tat und überblättere nicht, wenn mir eine Szene nicht gefällt oder eine Beschreibung gar langweilig erscheint. Die ersten Seiten schlichen sich dahin, möglich, dass ich auch noch ein wenig in dem Werk „Girls on the train“ hing, weil ich das eingeschoben gelesen habe. Letztendlich spielt das für diese Rezension aber keine Rolle, weil ich zum Anfang des Romans zurückgegangen bin.

Julia verschwindet im Alter von 19 Jahren. Die Handlung indes spielt 24 Jahre später. Lydia, die Schwester von Julia rutscht nach dem Verschwinden von Julia ins Drogenmilieu ab, schafft es aber das hinter sich zu lassen. Sie bekommt eine Tochter, die sie Dee nennt, lebt in einer Beziehung mit dem Bewohner des Nachbarhauses. Sie hat keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie, da sie erklärt hat, dass Paul, der Mann ihrer jüngsten Schwester Claire versucht hatte, sie zu vergewaltigen.

 
Claire, die jüngste der drei Schwestern, führt ein nettes Leben. Sie ist mit Paul, einem sehr erfolgreichen Architekten, verheiratet, lebt in absolutem Wohlstand, muss sich keine Sorgen machen, arbeitet nicht, kann keine Kinder bekommen, langweilt sich erstaunlicherweise nicht und befindet sich gerade in Bewährung, nachdem sie ein halbes Jahr lang eine Fußfessel tragen musste. Sie zertrümmerte einer anderen Tennisspielerin die Kniescheibe und bereute das nicht. Das ist Claire, ihr Mann hat sie mit dem geeigneten Anwalt aus dem Dilemma herausgeholt, sie war glimpflich davon gekommen. Sie feiert mit ihrem Mann ihre wieder gewonnene Freiheit ohne Fußfessel, als dieser in einer kleinen Seitenstraße ermordet wird, in die er sie hineingezogen hat.
Während der Trauerfeier wird in ihr Haus eingebrochen, das FBI führt, was Claire wundert, die Ermittlungen. Der Geschäftspartner von ihrem Mann, bittet Claire ihr die Dateien für das kommende Meeting zu übermitteln, bei dem es um das Projekt geht, an dem er mit Paul zusammen gearbeitet hat. Claire beginnt diese Dateien zu suchen und findet, was sie gar nicht sehen und wissen möchte. Am Tag danach trifft sie Lydia am Grab ihres Mannes das erste Mal wieder.

 

 
Claire hängt, bis zum Tod von Paul, in jedem Lebensbereich von ihm ab. Im Grunde genommen erwartet man sogar, dass er ihr erklärt hat, welches Klopapier sie wie benutzen sollte. Eigenartig ist, dass sie sich in keiner Art und Weise dessen bewusst ist, erst als er tot ist, bemerkt sie diese Abhängigkeit. Sie sitzt vor dem Computer ihres Mann, der nicht nur ein Kontrollfreak war, sondern auch noch ein Sicherheitsfanatiker, ein Pendant und noch einiges mehr. Auf der Suche nach den Projektdateien, öffnet sie Dateien, die sie besser nicht geöffnet hätte. Als ihr das bewusst wird, ist es zu einer Umkehr definitiv zu spät, im Gegenteil je weiter sie in den Sumpf hineingezogen wird, desto weniger war an ein Aufhören zu denken. Nicht nur das, gleich als sie die gefundenen Dateien bei der Polizei abgibt, bemerkt sie, dass sie hier niemandem trauen kann und sie beginnt Fragen zu stellen.

 
Claire sucht weiter, entdeckt mehr der dunklen Geheimnisse, die ihren Mann Paul umgaben. In ihrer Verzweiflung ruft sie ihre Schwester Lydia an, die sich sofort auf den Weg zu Claire macht. Bis hierher ist das alles noch einigermaßen easy, weil wir alle auch schon mal etwas über Snuff Videos gehört haben, hier wird im Rahmen von sexuellen Handlungen auch das Töten dargestellt. Damit wird Claire konfrontiert als sie den PC ihres Mannes durchsucht. Das ändert den Blick auf ihren Mann aber noch nicht, den sie geradezu abgöttisch liebt, sie nimmt viel mehr an, dass er nur Voyeur ist.
Sie ist sich sicher, dass die gezeigte Frau definitiv getötet wird, Lydia schließt sich ihrer Meinung an. Mehr und mehr nähern sich die Schwestern in einen Abgrund der sie zu verschlingen droht. Als Lydia entführt wird, erkennt Claire die Wahrheit, ist aber vollkommen auf sich allein gestellt und muss aktiv werden. Trotzdem, so ganz alleine ist sie im entscheidenden Moment nicht.

 
Mit diesem Werk ist Karin Slaughter abermals ein Werk gelungen, das über Irrungen, falsche Wege, Geschehnisse, mit denen man nie und nimmer rechnet, fesselt. Das erste Drittel muss man trotz allem aufmerksam lesen und so ungefähr ab dem zweiten Drittel beginnt der Höllenritt, in den Politiker ebenso verstrickt sind, wie Gesetzeshüter. Meine persönlichen Worte an dieser Stelle, es macht mich zornig, auch wenn ich weiß, dass ich gerade einen Thriller mit einer fiktiven Geschichte gelesen habe, dass Pornografie und Prostitution auf dem Rücken zumeist junger, naiver Mädchen und jungen Frauen ausgetragen wird und so global wir uns auch bewegen so engstirnig und kleinbürgerlich sind an dieser Stelle viele Menschen. Jedes Mädchen und jeder Junge, all die jungen Menschen, die sich verkaufen müssen, um zu überleben, jedes Mädchen und jeder Junge, die gegen ihren Willen missbraucht und zu Handlungen gezwungen werden, die sie gar nicht wollen und die sie für den Rest ihres Lebens zerstören, verdienen laute Stimmen. Das kann und darf es einfach nicht geben, egal wo auch immer auf dieser Erde.

 
Ein Buch, das spannend ist, das mich erschaudern lässt, was intelligent geschrieben ist, das irreführt, aber auch zur Lösung bringt, das aber unendliche Wut erzeugt und seine Leser damit zurücklässt, was ich als gut empfinde. Wer Thriller mag, der ist hier sehr gut bedient.

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