Seniorplattform? Nein, danke..

Der ganze Seniorhype wie er zur Zeit betrieben wird, macht mir Angst. Doch, ehrlich, ich habe diese Woche mal Seniorbook besucht und bin fluchtartig wieder davon geschlichen. Zugegeben, ich habe das nicht unter dem Gesichtspunkt „das bin ich selbst bald“ besucht, sondern, weil ich gucke, ob ich mit meinen Worten auch Menschen außerhalb des Blogs und gegen Geld unterhalten kann. Auch ich muss essen und trinken, Miete bezahlen und was dazu gehört das kommende Alter zu verschönern. Ich bin auf der Suche nach einem Platz, wo ich mit meinem nie alternden Konterfei auch noch in zwanzig Jahren in meinem Schreibstil regelmäßig meine Rente aufbessern darf. Aber echt mal, Seniorplattform macht mir schon Angst, auf der anderen Seite würde meine Beiträge die Sache aufpeppen.

Nein, im Ernst, da will ich nicht hin, als Nutzer nicht. Ja natürlich darf ich so nicht schreiben, wenn ich mich verkaufen will, aber da gibt es etwas, das ich noch nie konnte: meine Seele verkaufen. Ich will nicht Plattformen besuchen, die … die schlichtweg alt sind … nein, da bleibe ich lieber bei FB, Google+, schlag mich mit Pinterest und was nicht noch alles herum. Aber nöö…. Keine Seniorplattform wie immer sie auch heißen mag. Was soll ich da? Versauern? Nö, da amüsiere ich mich sehr viel lieber bei den FBs, lach mich gelegentlich über eingestellte Witze oder Bilder schlapp, wundere mich wie viele Lebensweisheiten es gibt, die zu befolgen man nie sterben dürfte, weil ein Leben dafür nicht ausreicht. Ist das meine unbewusste strikte Weigerung und die Angst alt zu werden oder anders herum der Wille ewig jung zu bleiben? Nein, weder das eine noch das andere. Ich will einfach nicht in meinem künftigen Seniorenalter katalogisiert werden, sondern mir eine gewisse Spontanität, ein Stück Freiheit erhalten oder wenn ich nicht mehr arbeite, das tun was ich will, aber nicht nach dem Bild der auf dem Sofa sitzenden Oma, mit Zeitschrift oder Album vor sich, und neben mir sitzt ein junger Mensch und guckt mit. Nö, da rock ich lieber mit meiner Enkelin neben mir ab, ziehe mir ihr durch das Nachtleben, auch wenn ich das für drei bis fünf Tage bitter bereuen werde, aber um Himmels Willen will ich nicht in das Klischeebild eines alten ruhenden Menschen gestopft werden. Für mich sind diese typischen gezeichneten Seniorenbilder ein Horrortrip, nicht mehr und nicht weniger. Das waren sie aber immer schon. Senioren haben Tanztees und legen bei der Schneckenpolonaise die Hände auf die Schultern, sie gucken Photoalben und lesen Yellow Press für Blümchenschürzen, aber nach Elvis rocken, mit Blumen im Haar von San Franzisco träumen, My sweat Lord zum Flirten und „Engtanzen“ nutzen, mit „Let’s twist again“ die Arthrose in den Hüften knacken lassen und bei „Satisfaction“ an die fröhlichsten Höhepunkte denken,  ist alles irgendwie nicht. Das ist alles so … so … gemäßigt, so gediegen, halt alt. Nö will ich nicht, ich will irgendwann abrocken, aus San Franzisco schreiben, aber nicht von der Couch, weil sie mir inzwischen am Hintern angewachsen ist. Ich kann das nicht in Worte fassen, sie fehlt mir um zu beschreiben was da fehlt, so wie das Salz in der Suppe, der Pfeffer, der dieses Leben würzt, dieses Feeling von Leben, von Lebendigkeit, von Dasein, von Freude, Spaß, Ausgelassenheit, Fröhlichkeit.

Möglich, dass ich falsch liege, möglich, dass ich gerade falsch in die Einbahnstraße einbiege, dass ich da etwas verwechsle, vielleicht habe ich Nachholbedarf, vielleicht fehlt mir noch etwas bevor ich auf die Couch gehe. Ich weiß nicht wie Euch das geht, wie ihr das empfindet, wenn ihr Euch wirklich mal mit Eurem Dasein im Alter beschäftigt. Gibt es da nicht noch so viel, das ihr gerne erleben möchtet? Es gibt nicht umsonst viele Organisationen, auch internationale, die versierte Menschen suchen, die ihr Wissen und ihr Können einsetzen, im Inland wie im Ausland. Eure Kinder brauchen Euch nicht, da müsst ihr Euch keine Gedanken machen, die stemmen das ohne Euch. Aber ungebraucht will ich auch nicht sein, wobei ungebraucht das falsche Wort ist, sagen wir es so: Ich will nicht auf die Couch gesetzt sein, nicht bevor ich so ungefähr 90 Jahre alt bin.

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3 Gedanken zu „Seniorplattform? Nein, danke..

    • Liebe Elke,

      danke für Dein Feedback. So etwas freut mich immer zu lesen, da macht es gleich drei Mal mehr Spaß zuschreiben.

      Herzliche Grüße

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