Fütterung der kleinen Raubtiere

Streng nach Plan war das früher mit den Babys. Alle vier Stunden, egal, ob der keine Racker nun Hunger hatte oder nicht, oder vielleicht sogar schon nach drei Stunden sich bereits gemeldet hat, alles lief nach Plan. Alle vier Stunden wurde gefüttert, gewickelt und gut war. Flaschenkinder, ich war auch eins, waren eher der Fall als Stillkinder, stillen war nicht in Mode. Abends um zehn Uhr gab es die letzte Falsche und dann früh morgens um sechs Uhr die erste. Nun, ich war auch kein Leichtgewicht, hatte meine flotten acht Pfund Geburtsgewicht, war so zumindest leichter als meine Geschwister. Wir bereiteten keine Probleme was das Füttern anging.  

Alle vier Stunden hieß es ran die Flasche und abdrücken. Da wurdest du geweckt, egal ob Du gerade in Deinem tollsten Traum gewesen bist, oder, für den Fall, dass Du zu früh gewesen bist, da musstest du dich bis dahin durchschreien. Heute kaum vorstellbar, allerdings weiß ich nicht wie das heute bei Flaschenkindern ist, da muss ich passen. Stillkinder haben es da einfacher, ihre Quelle ist immer bereit.  Ich kann mich noch ganz dunkel erinnern, dass meine Mutter manchmal etwas konsterniert gewesen war, wenn mein Baby sich wieder ziemlich fix gemeldet hat, eindeutig Hunger signalisiert hat und angelegt wurde. Ich hatte aber auch unterschiedliche Babys, das eine nahm nur die Flasche, das andere trank in aller Gemütsruhe, während das nächste am Anfang seines Lebens während des Stillens schneller eingeschlafen war, als ich gucken konnte. Sie war durch nichts zu wecken, wenn dies passiert war und das auch schon im Krankhaus. Die Säuglingsschwester, eine der alten Garde, die schon mich selbst gewickelt hat, meinte ich müsse sie wach halten, oder wieder wecken und tat, was sie in solchen Fällen scheinbar erfolgreich bei anderen Babys getan hat. Einzig mein Kind zeigte sich davon unbeeindruckt und schlief weiter. Es dauert schon einen Weile bis man sich auch hier kennt, aber irgendwann dann kennt man sich, weiß wie Baby Hunger zeigt, welche Tonart es anschlägt für welchen Grad Hunger. Nachdem wir uns dann alle recht gut kannten, klappte das egal wo und wie und wann. Ich stillte überall, dezent und verborgen und ich kann mich erinnern, dass eine der Omas meinte, dass sie überrascht sei wie lange Baby schlafen würde und keinen Hunger hätte. Ich antwortete lachend, dass ich sie zwischenzeitlich gestillt hätte, von ihr vollkommen unbemerkt, obwohl sie neben mir gesessen war. Alles ist möglich, alles geht, wenn sich die tägliche Routine eingestellt hat. Als werdende Oma beachte frau: sich zurück halten, die jungen Frauen haben heute Internet, werden Stunden damit verbringen nachzulesen wie sie dieses oder jenes tun oder auch lassen können. Als junge Mutter sollte man sich nicht durcheinander machen lassen, weder von verrückten Großmüttern, die wir ja doch alle ein wenig so sind, noch vom Internet. Das Bauchgefühl, das ist das, was nie verloren geht, der Instinkt, den man für sein Kind hat, der geht nicht verloren, egal ob durch verrückte Großmütter oder Internet.  

Lasst es Euch gut gehen, hier scheint die Sonne, wir gehen jetzt mal für eine oder auch zwei Stunden raus. Genießt den Tag, jede Stunde, das Leben.

Website Pin Facebook Twitter Myspace Friendfeed Technorati del.icio.us Digg Google StumbleUpon Premium Responsive

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.