Schalten bis das Getriebe kracht!

Das Auto der Zukunft sieht so aus: Reinsetzen, starten, Zielort eingeben und los geht das. Wehe, wenn du dir dann überlegst, ob du nicht auf dem Weg noch schnell beim Bäcker vorbeifährst, oder für einen Kaffee bei deiner Freundin einen Abstecher machen willst. Geht gar nicht, die nette Dame, die Stimme aus dem Innenraum erklärt dir dann, dass dies nicht möglich ist, das hättest du dir vorher überlegen müssen. Was waren die Zeiten des Leut Alexander, oder der Isettas. Das waren noch Autos, die hatten was.

Mein Onkel fuhr einen Leut Alexander und danach, wenn ich mich nicht irre einen Kadett. Das war bei vielen Autofahrern der gängige Weg. Das waren die Fahrer mit Hut und Zigarre, obwohl er keine Zigarre geraucht hat. Ob er einen Hut getragen hat, das weiß ich nicht mehr. Dann kannten wir, eher meine Eltern eine Familie, die eine Isetta hatten, das Modell wo die Tür nach vorne aufging, und diese Isetta mit sich selbst (die Frau war von den Ausmaßen her quadratisch, praktisch, gut und er ein Mann der nach oben nicht geendet hat), zwei Kindern und immer jede Menge Beipack bestückt haben. Das Auto hat das ausgehalten. Heute wären sie garantiert ein beliebtes Zielobjekt jeder Polizeistreife, weil ich mich nicht sicher bin, ob das Auto angesichts der Gewichtsverteilung nicht nur auf den Vorderrädern gefahren war. Deren nächstes Auto war dann ein VW-Bus. Es war überhaupt erstaunlich was man in Leuts, Isettas alles packen konnte. Das haben wir auf dem Weg in den Urlaub mehrfach erleben dürfen und zwar auf den Übernachtungsplätzen auf den Weg in den Süden und dort wiederum auf den Zeltplätzen. Ganze Zelte samt Ausrüstung wurden da ausgeladen, das war eine wahre Freude. Was aus dieser Zeit auch noch zu bemerken ist, Frau am Steuer war ein eigenes Thema. Ja ja. Wenn sie denn einen Führerschein hatte, dann durfte sie, wenn überhaupt, nur am Sonntag mit dem gestrengen Herrn Gemahl an ihrer Seite und dessen Eingriffe und Bemerkungen an ihrer Fahrweise, das Auto durch den damals rasanten Verkehr steuern. Viele gaben das dann auf, obwohl der Herr Gemahl seiner selbst auch nicht besser gefahren ist. Er gehörte zu der Spezies der Sonntagsfahrer, woraus ganz sicher die Frage nach dem Unterschied einer Schlange und einer Autoschlange entstanden ist.  

Ich habe altersgemäß mit 18 Jahren, noch nicht volljährig, den Führerschein gemacht. Mein erstes Auto war ein wunderschöner VW-Käfer in azurblau, natürlich ohne Servolenkung, da brauchte Frau noch Muckis, wenn sie sich aus der Parklücke herauskurbeln musste, was mir auf dem Hof meines letzten Arbeitgebers einige Male passiert war. Da stellten sich hinter die Autos der Mitarbeiter jede, die in die Stadt gingen und dachten, dass unsereins nie daran denken konnten auch mal Feierabend zu machen. So stand Frau dann so dämlich eingeparkt, dass nach rechts oder links rückwärts nix ging und die einzige Chance nach Hause fahren zu können, darin lag den VW in der Parklücke herum zu drehen und vorwärts heraus zu fahren. Das klappte dann, ich hatte einen dicken Hals und war schweißgebadet, konnte aber nach Hause fahren. Mein Auto fuhr schnell für die damalige Zeit, hatte einen tollen Anzug und brachte uns in einige europäische Länder in den Urlaub und wieder zurück. Einmal brauchte er im Süden eine Reparatur, ansonsten hielten sich diese Unterhaltskosten in Grenzen. Ich habe ihn heiß und innig geliebt und weiß auch noch das Kennzeichen, das er hatte. Strafzettel wegen zu schnellen Fahrens habe ich keinen bekommen, obwohl ich immer auf schnellen Reifen gefahren bin. Man kannte die Stellen wo die netten Herrn in grün, damals waren sie noch nett und in grün, standen, um zu blitzen. Heute, da sie ständig auf Raubzug sind, weiß Frau das nicht mehr, dennoch hatte ich bis heute ziemliches Glück und bin nur zwei Mal in moderater Geschwindigkeit geblitzt worden, wobei beim zweiten Mal der Polizist meinte, dass es ihn an dieser Stelle auch erwischt hätte, da es dort keine andere Möglichkeit gäbe als in dem Moment des Blitzens über der erlaubten Geschwindigkeit zu liegen. Was soll man mit dieser Aussage anfangen, außer dass sie das bestätigt, was wir alle wissen, dass es sich hier um moderne Piraterie handelt, oder etwa nicht? Frauen wurde immer schon unterstellt, dass sie nicht einparken können, dem schließe ich mich nicht an, alle Frauen, die ich kenne und die Auto fahren, können das. Gelegentlich auch besser als manche Männer. Überhaupt halte ich das für bekloppt, für dies oder das, immer und immer wieder diese geschlechterspezifischen Unterschiede im Können zu proklamieren, obwohl sie schwachsinnig sind. Heute gibt es Rentneraugen, oder Autos, die automatisch einparken. Das halte ich für abartig, denn wenn man oder frau sich daran mal gewöhnt haben und dann die Elektronik ausfällt… hui, das könnte dann zu einem Problem werden. Natürlich, ist es okay, dass Elektronik dazu genutzt wird, den Fahrer zu unterstützen, aber keinesfalls darf sie das Steuer übernehmen. Wo bleibt da die Freude zu fahren?

Ich will spontan entscheiden können, ob ich zu meiner Freundin noch eben fahren will, um einen kurzen Plausch zu halten, bevor ich meine Fahrt weiter fortsetze. Ich fahre deswegen auch immer ohne Navi, wenn ich denn fahre, weil diese „Biegen Sie jetzt ab!“, und „Biegen Sie jetzt ab!“ und nochmal „Biegen Sie jetzt ab!“ ich nur so kommentieren kann: „Mensch du blöde Tusse, halt die Klappe, merkst du nicht, dass ich nicht will?!?“. Als wir nach Berlin gezogen waren, da gab es diese Technik noch nicht und habe immer mein Ziel pünktlich und mit Stadtplan erreicht und habe mich auf dem Rückweg an markanten Punkten orientiert. Das ging gut, zumindest habe ich mich nicht pausenlos verirrt, egal wo auch immer ich hinfahren wollte. Technik und Elektronik sind eine feine Sache, keine Frage und noch können wir sie einsetzen, wenn wir das wollen und müssen das nicht tun. Leider hat diese elektronische Ausstattung auch zur Folge, dass man an seinem Auto nichts, absolut nichts mehr selbst machen kann. Kleinere Probleme an meinem Käfer habe ich stets selbst beseitigen können, wie jeder, der ein solches Auto hatte. Ich würde schon mal gerne einen Käfer fahren, aber ich glaube ich würde keinen mehr haben wollen. Ohne Servolenkung, nein nicht wirklich.

In diesem Sinn: Fahrt alle vorsichtig und kommt gut an Euer Ziel!

Website Pin Facebook Twitter Myspace Friendfeed Technorati del.icio.us Digg Google StumbleUpon Premium Responsive

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.